Einblick ins Depot

 

Ein Museum sammelt Objekte, die es bewahrt, erforscht und dokumentiert. Da längst nicht alle Sammlungsgegenstände ausgestellt werden können, verbleiben viele davon in den Depots der Museen, wo sie beispielsweise darauf warten, weiter erforscht zu werden.

Das Schweizer Schützenmuseum erforscht kontinuierlich seine Bestände. An dieser Stelle wird jeweils ein Objekt aus dem Depot präsentiert und anhand des aktuellen Forschungsstands vorgestellt.

 

AKTUELL

     

Jakob Schwegler (1793 in Hergiswil bei Willisau – 1866 in Luzern; eigentlich Philipp Jakob Schwegler)
Aloysia Meyer, von Malters, Cant. Luzern, 14 Jahre alt, um 1832
Lithografie
bezeichnet: „J. Schwegler del.“ / „Lith. v. Gebr. Eglin Luzern“

 

Auf dem Bild ist die 14-jährige Aloysia Meyer abgebildet. Sie steht an einem Schiessstand, worauf die am rechten Bildrand angedeutete Zielscheibe hinweist. Ihr Blick ist konzentriert und auf das Gewehr gerichtet, das sie in den Händen hält. Das Mädchen trägt eine Tracht, wie zu dieser Zeit üblich an festlichen Anlässen. In ihren schön geschmückten Hut hat sie mehrere Karten gesteckt. Bis ca. 1880 wurden noch keine Schiessbüchlein verwendet. Für die Stiche gab es einen Legschein, worauf die Resultate notiert wurden. 

Nachdem 1829 die Freiburger Geistlichkeit noch sämtlichen Frauen den Zutritt zum Festplatz kategorisch verboten hat, war 1832 in Luzern erstmals eine Frau als Schützin an einem „Eidgenössischen“ vertreten, nämlich Aloysia Meyer. Dieses ungewöhnliche Ereignis hat wohl einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Eine Lithografie mit dem porträtierten Mädchen konnte gemäss dem „Eidgenössischen Schützen-Almanach für die Jahre 1832 & 1833“ für 16 Fr. erworben werden (Seite 46):

„Dieses […] Bildnis stellt das 14 Jahr alte Töchterchen des wackern Schützen Meyer von Malters, im Kanton Luzern, dar, im Momente, wo sie den Stutzer zum Schusse von der Lade aufnimmt. Allgemeine Bewunderung ist diesem Mädchen auch an dem eidgenössischen Schützenfeste in Luzern wieder zu Theil geworden, sowohl wegen der Geschicklichkeit, mit der sie die Waffe zu handhaben weiss, als vorzüglich auch wegen ihres sicheren Schusses.“ (Seiten 46-47).

Zitiert wird im Anschluss der Pädagoge Friedrich Ludwig Jahn (1778 – 1852), verbunden mit dem Wunsche, „[die] Schweizerinnen möchten des braven deutschen Mannes Worte beherzigen“:

„Gross ist die Bestimmung des Weibes! Erziehung zwar und Hauswirthschaft ist ihr nächstes Geschäft; allein wenn Noth es erfordert, so sollen auch das Mädchen und die Frau zur Vertheidigung des Vaterlandes mitwirken. […] Sie wollen mit ihren Männern, Geliebten und Brüdern sterben für die Freiheit, oder siegen helfen.“

Die Vorzeichnung für die Lithografie hat Jakob Schwegler geschaffen, worauf der Zusatz „del.“ [für delineavit, hat es gezeichnet] nach dem Namen deutet. 1821 war er als Mitarbeiter von Lukas Ahorn bei der Ausführung des Löwendenkmals in Luzern beteiligt. Die Lithografie stammt von den Gebrüder Eglin aus Luzern.

 

Das Objekt ist im 2. OG des Museums ausgestellt.

 

 

ARCHIV

      

Laurent Marqueste (1848 – 1920) 
Nike (griechische Siegesgöttin), vor 1912 
Bronze Signiert: Marqueste / F. Barbedienne. Fondeur. 
Auf rotem Marmorsockel mit gravierter Messingplatte: XVIE MATCH INTERNATIONAL AU FUSIL BAYONNE-BIARRITZ 1912. 1 PRIX 
Inv.-Nr. 12-26011

 

Diese schöne Bronzeskulptur stammt vom französischen Bildhauer Laurent Honore Marqueste (1848-1920). Gegossen wurde sie von der bedeutenden Gießerei des Ferdinand Barbedienne (1810-1892) aus Paris. Dargestellt ist die griechisch mythologische Gestalt der Nike, der Göttin des Sieges, die der römischen Göttin Victoria entspricht. Sie wird nicht nur im kriegerischen Kampfgeschehen angerufen, sondern auch im friedlichen Wettstreit um den Sieg gebeten.

Die Figur steht auf einer Halbkugel und hält in der rechten Hand einen Kranz aus Lorbeer, den sogenannten Siegeskranz. Ihr Arm ist in einer Geste der Siegerehrung ausgestreckt. In der linken Hand hält die Göttin einen Palmzweig. In der griechischen Mythologie ist er Apollon, dem Gott des Lichts, des Frühlings, der Heilung und der Weissagung, sowie der schönen Künste und der Bogenschützen geweiht. Es ist der Zweig der griechischen Dattelpalme (phoenix), der die Auferstehung und damit den Triumph symbolisiert. Als Zeichen der Auferstehung findet die Palme später Eingang in die christliche Symbolik. Auffallend sind die ausgebreiteten Flügel der Siegesgöttin. Sie sind ihr wichtigstes Attribut. In einer Schlacht oder im Wettkampf, wendet sich das Glück stetig und fliegt schliesslich dem Sieger zu.

Die Skulptur wurde anlässlich des XVI. internationalen Matchs im freien Gewehrschiessen 1912 in Bayonne-Biarritz (FR) – nebst einem Barbetrag im Umfang von Fr. 1’000.00 – als 1. Preis an die siegende Nation vergeben. Ihr Wert wurde mit Fr. 500.00 beziffert (Schweizerische Schützen-Zeitung vom 22. Juni 1912, Jg. XXXI, Nr. 25, S. 186). Am Gewehrmatch nahmen 10 Nationen teil. Die Schweizergruppe, bestehend aus Konrad Stäheli, Marcel Meyer de Stadelhofen, Kaspar Widmer, Fritz Kuchen und Mathias Brunner, stellten sich an die Spitze vor Frankreich. Stäheli fielen die Stellungssiege liegend und kniend zu. Mit der Gesamtpunktzahl von 1078 Punkten in allen drei Stellungen erreichte er den Matchsieg.

Die Skulptur fand am 26. November 1939, also am Tag der Einweihung des Schweizer Schützenmuseums Bern, Eingang in die Sammlung.

 

 

 

 

 

 

 

Aktuell

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Öffnungszeiten

Dienstag – Samstag:
14–17 Uhr

Sonntag:
10–12 Uhr, 14–17 Uhr

Montag: geschlossen

Der Eintritt ins Museum ist frei.

 

 

 

 

Eine Hommage an ausgewählte ehemalige Spitzenschützen.
Diese sind u.a.: Otto Horber, Fritz Kuchen, Karl Zimmermann, Walter Lienhard, Emil Grünig, Dr. Rudolf und
Dr. Willy Schnyder, Konrad Stäheli, Rolf Beutler…