Schweizer Schützenmuseum Bern

Museums­geschichten

Aloysia Meyer

Nachdem 1829 die Freiburger Geistlichkeit noch sämtlichen Frauen den Zutritt zum Festplatz kategorisch verboten hat, war 1832 in Luzern erstmals eine Frau als Schützin an einem «Eidgenössischen» vertreten. Die 14-jährige Aloysia Meyer.

Auf dem Bild steht das Mädchen an einem Schiessstand, worauf die am rechten Bildrand angedeutete Zielscheibe hinweist. Ihr Blick ist konzentriert und auf das Gewehr gerichtet, das sie in den Händen hält. Sie trägt eine Tracht, wie zu dieser Zeit üblich an festlichen Anlässen. In ihren schön geschmückten Hut hat sie mehrere Karten gesteckt. Bis ca. 1880 wurden noch keine Schiessbüchlein verwendet. Für die Stiche gab es einen Legschein, worauf die Resultate notiert wurden.

Das für diese Zeit eher ungewöhnliche Ereignis hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Eine Lithografie mit dem porträtierten Mädchen konnte gemäss dem «Eidgenössischen Schützen-Almanach für die Jahre 1832 & 1833» für 16 Fr. erworben werden: «Dieses […] Bildnis stellt das 14 Jahr alte Töchterchen des wackern Schützen Meyer von Malters, im Kanton Luzern, dar, im Momente, wo sie den Stutzer zum Schusse von der Lade aufnimmt. Allgemeine Bewunderung ist diesem Mädchen auch an dem eidgenössischen Schützenfeste in Luzern wieder zu Theil geworden, sowohl wegen der Geschicklichkeit, mit der sie die Waffe zu handhaben weiss, als vorzüglich auch wegen ihres sicheren Schusses.» (Seiten 46-47).

Zitiert wird im Anschluss der Pädagoge Friedrich Ludwig Jahn (1778–1852), verbunden mit dem Wunsche, «[die] Schweizerinnen möchten des braven deutschen Mannes Worte beherzigen»: «Gross ist die Bestimmung des Weibes! Erziehung zwar und Hauswirthschaft ist ihr nächstes Geschäft; allein wenn Noth es erfordert, so sollen auch das Mädchen und die Frau zur Vertheidigung des Vaterlandes mitwirken. […] Sie wollen mit ihren Männern, Geliebten und Brüdern sterben für die Freiheit, oder siegen helfen.» 

Die Vorzeichnung für die Lithografie hat Jakob Schwegler geschaffen, worauf der Zusatz «del.» [für delineavit, hat es gezeichnet] nach dem Namen deutet. 1821 war er als Mitarbeiter von Lukas Ahorn bei der Ausführung des Löwendenkmals in Luzern beteiligt. Die Lithografie stammt von den Gebrüder Eglin aus Luzern.