Musée Suisse du tir Berne

Histoires du musée

Ein königliches Trinkgefäss

Zweifelsohne eines der strahlendsten Objekte in Museum ist der silberne Deckelpokal von König Wilhelm III. der Niederlande.

Das Prunkstück, in den alten Akten auch als Punschbowle bezeichnet, liess König Wilhelm III. der Niederlande (1817–1890) gemäss Inschrift als Geschenk an den Schweizerischen Schützenverein für das eidg. Schützenfest 1876 in Lausanne anfertigen. Die «Gabe von bleibendem Werthe [war] nicht zu einem Schützenpreise bestimmt» (Tell, Schweizerische Unteroffiziers- und Schützenzeitung, Nr. 44 vom 29. Juli 1876, S. 347), sondern widmete «der dankbare Fürst, in Erinnerung an seinen Aufenthalt in der schönen Waadt, den schweizerischen Schützen» (Tell, wie oben).

Ein Jahr zuvor weilte der König tatsächlich in der Schweiz, wo ihm offenbar wegen exhibitionistischem Verhalten eine Geldstrafe auferlegt wurde, nachdem er nackt gebadet hatte. Ob sich seine „Dankbarkeit“ darauf bezog, dass die Strafe nicht höher ausgefallen war oder ganz einfach auf das Erlebnis des Nacktbadens, bleibt ein Geheimnis. Jedenfalls scheint dieses Ereignis seinen Eindruck von der Schweiz nicht getrübt zu haben.

Gestaltet wurde der Pokal vom französischen Bildhauer Émile-Coriolan Guillemin (1841–1907). Zur Erstellung wurden 57 Pfund (ca. 25.85 kg) Silber verwendet (Tell, wie oben). Die Vorderseite zeigt die Schlacht bei Sempach vom 9. Juli 1386, auf der Rückseite ist die Schlacht bei Murten dargestellt, die am 22. Juni 1476 zwischen Truppen der Eidgenossenschaft und des burgundischen Herzogs Karl des Kühnen (1433–1477) ausgetragen wurde. Auf dem Deckel steht Wilhelm Tell neben seinem Sohn Walter.

Nach 1876 blieb der Pokal vorerst in Lausanne. 1979 wurde beschlossen, dass er zusammen mit der Zentralfahne des Schweizerischen Schützenvereins, am jeweiligen Festort des eidg. Schützenfests verbliebt (Jahresbericht der Schweizerischen Schützenstube pro 1887). Später wurde er dann an jedem eidg. Schützenfest ausgestellt, ansonsten aber in der «Schützenstube», die dem Schweizerischen Schützenverein als Archiv diente, aufbewahrt.

Mit der Gründung der Stiftung Schweizer Schützenmuseum Bern 2007 ging der Pokal in die musealen Sammlungen über.