08.02.2021: Ein Schützenmuseum für Bern!

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In der Berner Kulturlandschaft ist Grosses geplant. «Nach Jahrzehnten verdichtet sich in Bern die Vision, im Kirchenfeld ein Museumsquartier zu schaffen. Die verschiedenen kulturellen Institutionen, die zwar nahe beieinanderliegen, aber bis heute getrennt auftreten, sollen inhaltlich vernetzt und räumlich verbunden werden. Auf diese Weise soll mitten in der Stadt Bern ein Bildungs- und Kulturareal von internationaler Strahlkraft entstehen.»

(Medienmitteilung und weitere Informationen)

Und mitten drin – das kleine Schützenmuseum! Warum es gerade dort steht, wo es steht und weshalb es schon lange bevor auch nur die Idee eines «Museumsquartiers» aufkam, mit seinen Nachbarn verbandelt war, ist Thema des heutigen Beitrages:

1885 war Bern Gastgeberstadt für das 31. Eidgenössische Schützenfest. Nach einem öffentlichen Aufruf in der Schützenzeitung zur Gründung einer «Schweizerischen Schützenstube!» wurde diese im Folgejahr vom Organisationskomitee des Berner Festes gegründet. Ihr Zweck war es, «alles auf das schweiz. Schützenwesen bezughabende, wie Akten, Literatur über Schützenwesen, Pläne, Modelle, Formularien, Waffen, Munition, Festthaler, Becher, und sonstige Utensilien zu sammeln, zu ordnen und so den Schützen wie dem Schweizervolke zugänglich zu machen und zu veranschaulichen [...].»

Anfangs 1887 wurde die Stube im sog. Haller-Haus an der Inselgasse 5 (heute Kochergasse) eröffnet. Das Mietverhältnisses wurde allerdings schon zwei Jahre später gekündigt und die Objekte kamen vorübergehend in die bernische Muster & Modellsammlung im Kornhaus, bevor sie 1894 im neuen Museumsgebäude am Helvetiaplatz, welches anders als ursprünglich geplant nicht das Schweizer Nationalmuseum, sondern das Bernische Historische Museum wurde, eine Bleibe fanden. Dort blieb die Schützenstube (ab 1914 Schützenmuseum) viele Jahre. Verwaltet wurde sie vorerst durch den Vorstand der 1893 gegründeten «Vereinigten Schützengesellschaften der Stadt Bern», bevor sie 1904 schenkungsweise an den Schweizerischen Schützenverein überging. Daran geknüpft war die Bedingung, dass ihr Sitz für immer in der Bundesstadt verbleibe.

Parallel zu den Sammlungen wuchs auch der Platzmangel. 1926 bestand die Aussicht auf einen Bauplatz auf dem Kirchenfeld für den Bau eines Sportmuseums mit gleichgesinnten Sportverbänden. «Schützen & Turner» schlossen sich zusammen und verhandelten mit dem Schweizer Alpen-Club SAC. Das Gemeinschaftsprojekt verlief aber im Sand. Die museale Sammlung des Alpen Clubs (seit 1905, heute Alpines Museum der Schweiz), zog 1934 in einen eigenen Museumsneubau, ebenfalls am Helvetiaplatz und das Schützenmuseum blieb vorerst im Bernischen Historischen Museum beheimatet.

Nachdem Letzteres wiederholt Eigenbedarf an den Räumlichkeiten anmeldete, drängte in der Zwischenzeit auch der SSV auf «ein Eigenheim». Die Diskussionen in der Museumskommission rund um die neue Lokalität verliefen recht hitzig. Von einem Umzug in die Altstadt wurde grundsätzlich abgeraten, «weil der Besuch des Museums darunter zweifellos leiden würde». Die ins Auge gefasste alte Feuerwehrkaserne wurde bereits vom Theater beansprucht, das vom Gemeinderat vorgeschlagene ehemalige Hotel Du Pont und das Kornhaus als ungeeignet abgetan. Dasselbe galt auch für weitere Vorschläge, wie etwa das St. Antonienkloster, die alte Schal (an der Metzgergasse), die Räume der Gewerbeschule oder das Zofingerheim. Die einen waren zu abgelegen, die anderen zu teuer. Einigkeit herrschte eigentlich nur darüber, dass es geradezu Pflicht sei, das Museum auch weiterhin in Bern zu belassen. Am Ende kam man überein, dass nur ein Neubau an geeigneter Stelle zweckdienlich sei. Nach Verhandlungen mit der Aufsichtsbehörde des Bernischen Historischen Museums konnte der SSV schliesslich ein geeignetes Areal an der Bernastrasse erwerben.

Das Bauprojekt mit einem Budget von Fr. 260'000 wurde im Dezember 1938 dem Gemeinderat der Stadt Bern eingereicht und gleichzeitig bei Bund, Kanton und Gemeinde um finanzielle Unterstützung gebeten. In seinem Vortrag an den Gemeinderat betreffend die Subventionierung führte der Stadtrat aus: «[...] Die mit dem Schützenmuseum verbundenen öffentlichen Interessen [sind] so gross, dass die Stadt Bern ein unmittelbares Interesse an der Erhaltung des Schützenmuseums in der Stadt Bern besitzt» und beantragte, dem Gesuch unter der folgenden Bedingung zu entsprechen: «Das Schützenmuseum muss auf ewige Zeiten der Stadt Bern verbleiben». Na also. Gerne doch!

Bereits am 26. November 1939 wurde das Schützenmuseum an der Bernastrasse 5 als «ein Denkmal der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft» eingeweiht und öffnete am 3. Dezember 1939 die Tore für das Publikum.

Regula Berger
Direktorin im Schweizer Schützenmuseum und Hüterin von vielen alten Plänen und Akten


Quellen: Archiv SSV, Archiv SMB

Fotografie: Alter Plan für den Bau eines Schützenmuseums in Bern von Architekt Emilien Bertallo